


Am vergangenen Wochenende fand auf dem DFB-Campus in Frankfurt der erste Trainerkongress Inklusionsfußball statt. Die Veranstaltung wurde von der DFB-Stiftung Sepp Herberger und der DFB-Abteilung Qualifizierung & Schule organisiert. Drei Tage lang drehte sich alles um Austausch, Fortbildung und die gemeinsame Weiterentwicklung des Inklusionsfußballs in Deutschland. Das vielfältige Programm reichte von praxisnahen Workshops über sportmedizinische Impulse bis hin zu intensiven Gesprächsformaten wie dem Barcamp oder dem Kamingespräch.
Schon bei der Begrüßung durch DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert wurde deutlich, welchen Stellenwert der Inklusionsfußball inzwischen in Deutschland einnimmt. „In Inklusionsmannschaften spielen Fußballerinnen und Fußballer zusammen, die unterschiedliche Stärken, Voraussetzungen und Bedürfnisse mitbringen. Daher sollten Trainerinnen und Trainer spezifische Möglichkeiten kennen, das Training so zu steuern, dass niemand über- oder unterfordert wird und alle Spaß am Fußball haben“, sagte Schaffert, Vorstandsvorsitzender der DFB-Stiftung Sepp Herberger.

Trainingsphilosophie Deutschland trifft Inklusionsfußball
In verschiedenen Barcamp-Sessions erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Einblicke – von der Trainingsgestaltung in heterogenen Gruppen über rechtliche Grundlagen bis hin zu internationaler Expertise aus der Schweiz oder Best-Practice-Beispielen aus Amateur- und Profivereinen.
Auch Hannes Wolf, DFB-Direktor Nachwuchs, Training und Entwicklung, war vor Ort. Der 44-Jährige stellte die Trainingsphilosophie Deutschland vor und diskutierte gemeinsam mit den Teilnehmenden über Anwendungsmöglichkeiten für den Inklusionsfußball. Unter Wolfs Leitung erlebten die Teilnehmenden theoretische und praktische Einheiten, in denen insbesondere sichtbar wurde, wie gut sich die Prinzipien modernen Kinder- und Jugendtrainings mit inklusiven Konzepten verzahnen lassen.

„Die gemeinsame Freude am Fußball steht im Inklusionsfußball im Fokus“, betonte Wolf: „Die Trainingsphilosophie Deutschland kann im Inklusionsfußball einen sportlichen Rahmen bieten, der hohe Teilhabe selbst bei großer Heterogenität ermöglicht.“
„Kollegialer Austausch ist im Inklusionsfußball total wichtig“
Bruna Pasqualotto ist Trainer des Team United des SV Teutonia Köppern aus dem Hessischen Fußball-Verband. 110 Menschen mit und ohne Handicap spielen dort derzeit mit großer Leidenschaft zusammen Fußball. Der 56-Jährige war Teilnehmer des Trainerkongresses und Referent zugleich.
„Fortbildungen und Austausch sind vor allem im Inklusionsfußball total wichtig, weil das ein sehr breites und heterogenes Feld ist“, sagte Pasqualotto: „An diesem Wochenende in Frankfurt sind sehr viele Menschen zusammengekommen, die sich für den Inklusionsfußball in Deutschland einsetzen. Ich konnte unglaublich viel Input für meine Arbeit beim Team United mitnehmen. Solche Netzwerkveranstaltungen bringen uns voran. Am Ende profitieren davon natürlich unsere Fußballerinnen und Fußballer mit Handicap.“

Pasqualotto leitete eines der Barcamps, dass das Motto „Best Practice aus dem Amateurfußball am Beispiel des SV Teutonia Köppern“ trug. Darin zeigte der Ehrenamtler nachdrücklich, wie Inklusionsmannschaften in bestehende Vereinsstrukturen integriert werden können. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Menschen mit Behinderungsgrad das Vereinsleben sehr bereichern können“, sagte er: „Ich kann nur alle Verantwortlichen ermutigen, die darüber nachdenken, eine Inklusionsmannschaft aufzubauen, dies auch wirklich zu tun.“
Weltmeisterin ebenfalls vor Ort
Auch Pia Wunderlich hat den ersten Trainerkongress im Inklusionsfußball besucht und an einem Kamingespräch teilgenommen. Darin wurde nochmals vertiefend über den Einsatz und die Anwendung der Trainingsphilosophie Deutschland bei Inklusionsmannschaften diskutiert.
„Ich trainiere seit 15 Jahren eine Fußballmannschaft in einer Werkstatt für behinderte Menschen und seit zehn Jahren die dritte Mannschaft der SG Bad Soden. Das ist ein Inklusionsteam, das in der Kreisliga C spielt. Beides macht mir unglaublich viel Spaß“, sagte Wunderlich, die 102 Länderspiele für die DFB-Auswahl bestritten hat und 2003 die Weltmeisterschaft gewann.
Wunderlich erzählte, dass sie immer wieder die Frage gestellt bekomme, welche Voraussetzungen denn nötig seien, um Inklusionsfußball im Verein anbieten zu können. Ihre Antwort ist immer dieselbe: „Jede Sorge ist unbegründet. Man muss nur einfach loslegen. Alles andere kommt von selbst.

Ein Gewinn für alle Beteiligten
Ein besonderer Höhepunkt war die praktische Selbsterfahrungseinheit in der Kunstrasenhalle, bei der die Teilnehmenden selbst Einblicke in Amputierten-Fußball, Blindenfußball und Rollatorenfußball erhielten. Diese unmittelbaren Perspektivwechsel vertieften das Verständnis dafür, welche Bedeutung individuelle Anpassungen, klare Kommunikation und ein feinfühliger Trainingsansatz haben.
An der Veranstaltung nahmen rund 90 Trainerinnen und Trainer von Inklusionsmannschaften von Fußballvereinen, von Fußballteams der Werkstätten für behinderte Menschen oder von Teams der Blindenfußball-Bundesliga aus ganz Deutschland teil. Die Vielfalt der Perspektiven zeigte eindrucksvoll: Der Inklusionsfußball in Deutschland wächst – und er tut es durch die Kraft der Gemeinschaft.
Der erste Trainerkongress Inklusionsfußball war ein weiter Meilenstein bei der Entwicklung von Inklusion im organisierten Fußball - darin waren sich nach der Veranstaltung alle Teilnehmenden einig.