

Zuhören. Wahrnehmen. Ansprechen.
Was einfach klingt, ist im Umgang mit Kindern und Jugendlichen oft eine Herausforderung – gerade dann, wenn es um mentale Gesundheit geht. Genau hier setzt die MHFA-Ersthelfer-Youth-Ausbildung (Mental Health First Aid) für Teamer und Freizeitleitende der von der DFB-Stiftung Egidius Braun durchgeführten Fußball-Ferien-Freizeiten an.
Ziel der Schulung war es Sicherheit zu geben: nicht zu therapieren, sondern dazu zu befähigen, hinzuschauen, Warnsignale ernst zunehmen und Gespräche zu führen, bevor sich Belastungen verfestigen.

Nähe macht Verantwortung
Die Teamer und Freizeitleitenden der Fußball-Ferien-Freizeiten sind nah dran an den Teilnehmenden. Sie erleben Kinder und Jugendliche über mehrere Tage im sportlichen, sozialen und oft auch emotionalen Miteinander. Genau diese Nähe macht sie zu wichtigen Bezugspersonen– und zu möglichen Ersthelfern und Ersthelferinnen, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät.
„Viele psychische Belastungen zeigen sich bereits vor dem 18. Lebensjahr“, erklären die Instruktorinnen der MHFA-Ersthelfer-Youth-Ausbildung Stephania Laih und Celina Melzer. „Früherkennung ist entscheidend – und die gelingt nur dort, wo Vertrauen besteht“, ergänzt Laih. Gerade im Sport, wo Leistungsdruck, Verletzungen oder das Gefühl des Nicht-Genügens eine Rolle spielen können, wirkt sich mentale Belastung oft früh aus.
Keine Therapie – aber ein sicherer erster Schritt
Die MHFA-Ersthelfer-Youth-Ausbildung richtet sich bewusst an Menschen ohne therapeutische Ausbildung. Es geht nicht darum, Diagnosen zustellen oder fertige Lösungen vorzugeben. Im Mittelpunkt stehen vielmehr grundlegende Fragen:
· Wie erkenne ich Veränderungen im Verhalten?
· Wie spreche ich Sorgen an?
· Wie schaffe ich einen geschützten Raum für ein Gespräch?
Ein zentraler Gedanke der Schulung: Perfekte Worte sind nicht entscheidend. Haltung schon.
Wer aufmerksam zuhört, Interesse zeigt und Vertrauen aufbaut, kann auch Unsicherheiten im Gespräch auffangen. Kleine Schritte können dabei eine große Wirkung entfalten.
Jugendliche ernst nehmen – nicht abtun
Auffälliges Verhalten wird bei Jugendlichen oft vorschnell als „Phase“ eingeordnet. Rückzug, Gereiztheit oder Aggressionen werden missverstanden - dabei können sie Ausdruck innerer Überforderung sein. Die Ausbildung sensibilisierte dafür, genau hinzuschauen und Verhalten nicht vorschnell zu bewerten.
Besonderes Augenmerk lag zudem auf Themen wie Kinderschutz, Mitbestimmung und Verantwortung: Jugendliche brauchen Erwachsene, die sie ernstnehmen, einbeziehen und ihnen auf Augenhöhe begegnen.
Fußball als Schutzraum und Lernfeld
Immer wieder wurde in der Ausbildung deutlich, welche Rolleder Fußball spielen kann:
· als Ort der Gemeinschaft,
· als Ventil für Emotionen,
· als Gegenpol zu Isolation und digitaler Überforderung.
Im Teamsport erleben Kinder und Jugendliche Zugehörigkeit, Verlässlichkeit und Rückhalt – aber auch Frustration, Konflikte und Leistungsdruck. All das sind Lernfelder fürs Leben. Fairplay und Respekt, das diesjährige Motto der Fußball-Ferien-Freizeiten, sind dabei eng mit mentaler Gesundheit verknüpft: Wer sich gerecht behandelt fühlt und Wertschätzung erfährt, stärkt sein eigenes Wohlbefinden.
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Mehr Sicherheit für den Alltag in den Freizeiten
Für viele Teilnehmende der Ausbildung stand am Ende vorallem eines im Vordergrund: mehr Handlungssicherheit.
· Zu wissen, dass man nicht alles wissen muss.
· Dass Ansprechen besser ist als Wegsehen.
· Und dass man nicht allein entscheidet, sondernim Team Verantwortung trägt.
Die MHFA-Ersthelfer-Youth-Ausbildung vermittelt genau das: einen Werkzeugkasten für Situationen, die man nicht planen kann, aber auf die man vorbereitet sein sollte.
Denn mentale Gesundheit ist kein Randthema.
Sie ist Grundlage für Entwicklung, Teilhabe und gemeinsames Lernen auf dem Fußballplatz und darüber hinaus.