DFB Stiftungen Logo
11.2.2026

„Die Grundmotivation besteht immer darin, das Leuchten in den Augen der Kinder zu sehen“

Am vergangenen Wochenende fand auf Einladung der DFB-Stiftung Sepp Herberger und der DFB-Abteilung Qualifizierung & Schule auf dem DFB-Campus in Frankfurt am Main der erste Trainerkongress Inklusionsfußball statt. Hannes Wolf, DFB-Direktor Nachwuchs, Training und Entwicklung, stellte dort die Trainingsphilosophie Deutschland vor. Der 44-Jährige ist sich sicher, dass sich viele Inhalte aus dem Nachwuchsbereich auf den Inklusionsfußball übertragen lassen, weil Ideen und Motivation der Beteiligten dieselben sind. Wolf zeigte sich angetan von der Atmosphäre und dem Austausch mit den Teilnehmenden. 

Hannes Wolf gab wertvolle Einblicke. (Foto: Jonas Melcher)

Herr Wolf, am Wochenende waren Sie als Referent beim ersten Trainerkongress Inklusionsfußball dabei. Was war die beeindruckendste Erfahrung, die Sie vom DFB-Campus in Frankfurt am Main mitgenommen haben?

Hannes Wolf: Das war eindeutig die Atmosphäre bei den Einheiten, der Umgang miteinander. Es war großartig zu sehen, wie intensiv sich die Spielerinnen und Spieler gegenseitig unterstützen, welchen Zusammenhalt sie pflegen und mit welcher Begeisterung alle dabei waren. 

Sie haben mit den Teilnehmenden theoretische und praktische Einheiten absolviert. Lassen sich die Prinzipien modernen Kinder- und Jugendtrainings so einfach auf inklusiv ausgerichtete Teams übertragen?

Ich bin kein Inklusionsexperte und habe anders als die Coaches in diesem Bereich nicht hunderte Einheiten mit Inklusionsteams erlebt, sondern lediglich fünf. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Idee, viel zu spielen und auf mehreren Spielfeldern zu trainieren, um alle intensiv einzubinden, gut übertragen werden kann. Klar ist, dass man manche Trainingsansätze adäquat und zielgruppengerecht anpassen muss. Aber ein bloßes Überstülpen von Vorgaben funktioniert nirgendwo. Es braucht immer Empathie für den Ort und die Gruppe, um die Einheiten für alle gut zu gestalten.

Hannes Wolf: „Zum Fußball gehört Körperkontakt“

Sie haben die rund 90 Trainerinnen und Trainer von Inklusionsmannschaften, Teams aus den Werkstätten oder der Blindenfußball-Bundesliga kennengelernt. Was nehmen Sie aus den Begegnungen mit?

Tatsächlich hatten wir einen intensiven Tag mit Theorie- und Praxiseinheiten und auch die Möglichkeit, über viele Aspekte des Fußballs zu sprechen. In Erinnerung bleiben mir die Worte eines Teilnehmers, der gesagt hat, dass Inklusionsfußball mit den gleichen Chancen und Risiken verbunden ist wie der Sport in den übrigen Teams. Das fand ich sehr einleuchtend. Zum Fußball gehört auch Köperkontakt, das heißt, es kann durchaus mal weh tun, aber das ist absolut kein Grund, diesen Sport nicht zu betreiben. Beeindruckt hat mich auch, mit welcher Begeisterung die Trainer ihrem Engagement nachgehen und ihre Schilderungen von der Bedeutung für die Spielerinnen und Spieler, einem gemeinsamen Team anzugehören.

Wesentlicher Bestandteil der Trainingsphilosophie Deutschland ist es, über die Freude an der Bewegung die Trainingsintensität und damit auch den Lernfortschritt zu fördern. Ist der Inklusionsfußball in dieser Hinsicht einen Schritt voraus, weil der Spaß am Sport schon immer als Schlüssel für jegliche Weiterentwicklung gesehen wurde?

Ich denke, dass es da keinen großen Unterschied gibt. Im Inklusionsfußball steht aber vielleicht der Einzelne noch klarer im Fokus. In dieser Hinsicht kann man sich sicherlich etwas abschauen. Denn eigentlich gibt es – mal abgesehen vom Profifußball – in allen Trainingsgruppen Unterschiede und eine gewisse Heterogenität. Etwa wenn Anfänger und erfahrenere Akteure zusammenkommen. Diesen Unterschieden kann man nicht immer auf einem gemeinsamen Trainingsfeld gerecht werden. Daher gilt es, kleine Entwicklungsorte zu schaffen, damit jeder Einzelne gefördert werden kann. Dieser Ansatz ist nicht zuletzt wichtig, wenn es darum geht, Schulkonzepte zu erarbeiten. Wichtig ist es, nicht dogmatisch an die Gestaltung heranzugehen und niemanden zu überfordern. Man darf nichts einfordern, was die Spieler körperlich nicht leisten können.

Gespannte Zuhörerinnen und Zuhörer für Hannes Wolf. (Foto: Jonas Melcher)

Alter, Geschlecht und Niveau sind nicht ausschlaggebend

Trainer im Inklusionsfußball schöpfen ihre Motivation häufig aus dem direkten Feedback ihrer Spielerinnen und Spieler. Kommt dieser Aspekt aus Ihrer Sicht bei den übrigen Nachwuchsteams manchmal zu kurz, weil sich der Fokus zu sehr auf die Spielergebnisse richtet?

Nein, das glaube ich nicht. Man trainiert selbstverständlich, um zu lernen und um Spiele zu gewinnen. Aber die Grundmotivation besteht immer darin, das Leuchten in den Augen der Kinder zu sehen. Es wäre ja auch nicht förderlich, die gesamte Woche über an das Ergebnis am nächsten Wochenende nachdenken. Insofern ist die Motivation ist bei den Coaches aller Mannschaften sehr ähnlich.

Das gilt dann auch für die Spielerinnen und Spieler?

Ja, selbstverständlich. Es ist eben sehr sinnstiftend, Teil einer Gruppe zu sein, regelmäßig dorthin zu gehen, wo man sich wohlfühlt und gemeinsam mit anderen etwas erreichen zu wollen. Das sollte der Antrieb für alle im Fußball sein. Da spielen Alter, Geschlecht und Niveau keine Rolle. Das gilt für inklusive Teams und alle anderen. Ich denke, im Inklusionsfußball ist der Zusammenhalt ein besonderer, weil es noch weniger um den perfekten Pass oder Torschuss geht, sondern um gegenseitige Unterstützung. Daher sieht man auch weniger Streit und so ein tolles Miteinander und davon können wir alle uns eine Scheibe abschneiden.

Von Grünberg aus stand ein Besuch auf dem DFB-Campus in Frankfurt auf dem Plan. Foto: DFB/Nico Florow
Eine zusätzliche Freizeit für Kinder nach onkologischer Erkrankung fand in Malente statt. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Der fußballbegeisterte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf besuchte die Fußball-Ferien-Freizeit in Malente. Foto: Martin Ziemer/Getty Images
Der ehemalige Trainer von RB Leipzig Marco Rose war für einen Wertedialog in Leipzig zu Gast. Foto: Jens Schlüter/Getty Images
Ein Besuch im Bundesverfassungsgericht stand bei der Freizeit in Schöneck (Karlsruhe) auf dem Programm. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
U19-Nationaltrainer Hanno Balitsch leitete eine Trainingseinheit in Edenkoben. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
FIFA-Schiedsrichter Harm Osmers gab in Malente Einblicke in das Leben eines Profi-Schiedsrichters. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Neben verschiedenen Ausflügen und Bildungsaktivitäten stand natürlich der Fußball im Mittelpunkt der Freizeiten. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
Von Hennef aus ging es für eine Führung nach Leverkusen in die BayArena – inklusive Gespräch mit dem Geschäftsführer Simon Rolfes. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Insgesamt 1.000 Teilnehmende waren bei den Fußball-Ferien-Freizeiten 2025 dabei. Foto: Klaus Venus/DFB-Stiftung Egidius Braun
Verschiedene Workshops zum Thema Demokratie standen auf dem Programm der Freizeitwochen. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier tauschte sich in einem Wertedialog mit den Teilnehmenden einer Freizeit in Grünberg aus. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
DFB-Präsident Bernd Neuendorf besucht die Fußball-Ferien-Freizeiten in Hennef. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Weißer Pfeil nach oben
Weißer Pfeil nach oben

News

arrow green