25.1.2024

Lizenzspielerinnen des FC Bayern München zu Besuch in der JVA Aichach

Mit Unterstützung der DFB-Stiftung Sepp Herberger besuchte vor wenigen Tagen die Frauen-Lizenzmannschaft des FC Bayern München die JVA Aichach. Gespickt mit zahlreichen Nationalspielerinnen war nahezu der komplette Kader zu Gast in der bayerischen Justizeinrichtung. Im Rahmen einer Anstaltsführung bekamen die Fußballerinnen intensive Einblicke in den Alltag hinter Gefängnismauern. Insbesondere das persönliche Erleben der Enge in den rund acht Quadratmeter großen Haftzellen regte zum Nachdenken an. „Wir sind dankbar, dass wir über diesen Besuch einen wertvollen Perspektivwechsel außerhalb unseres sportlichen Alltags erfahren durften, aus dem wir Demut und Dankbarkeit für das eigene privilegierte Leben mitnehmen“, betonte Bianca Rech, Abteilungsleiterin Frauenfußball beim FC Bayern München.

Nach der Führung stand die Begegnung mit einer Gruppe weiblicher Inhaftierter auf dem Programm. Über die Durchführung gemeinsamer Team-Spiele wurden Berührungsängste und Vorurteile abgebaut. Sport verbindet – das belegte die lockere Atmosphäre unter den Teilnehmenden. Bei der anschließenden Gesprächsrunde tauschten sich beide Delegationen aus. In Stuhlkreisen saßen sie zusammen. Die Inhaftierten erläuterten ihren Lebensweg, der häufig mit zahlreichen Brüchen versehen war, oder führten ihre Träume und Wünsche für die Zukunft aus. Die Profispielerinnen zeigten sich dabei besonders respektvoll, aufgeschlossen und empathisch. Sie hörten zu, stellten Fragen oder berichteten aus ihren sportlichen Karrieren. „Es war ein Austausch auf Augenhöhe. Es gab in diesen Momenten keine Unterschiede zwischen uns“, meinte Nationalspielerin Sidney Lohmann. „Uns ist es bewusst, dass die Frauen, mit denen wir gesprochen haben, große Fehler in der Vergangenheit begangen haben. Auf der anderen Seite sind es jedoch auch Menschen, die eine zweite Chance verdient haben“, ergänzte Linda Dallmann, die seit 2019 für den FC Bayern München am Ball ist.  

Insbesondere das persönliche Erleben der Enge in den rund acht Quadratmeter großen Haftzellen regte zum Nachdenken an.

Kraft schenken für den zukünftigen Lebensweg

Genau deshalb setzt sich die DFB-Stiftung Sepp Herberger seit mehr als vier Jahrzehnten bundesweit in Justizeinrichtungen für die Resozialisierung von straffällig gewordenen Menschen in die Gesellschaft ein. Die Besuche prominenter Fußball-Persönlichkeiten schenken den Inhaftierten Kraft und Zuversicht für ihren zukünftigen Lebensweg. Gemeinsam mit dem FC Bayern München organisierte die Stiftung die Veranstaltung in der JVA Aichach. Markus Hörwick, Kuratoriumsmitglied der Stiftung und langjähriger Mediendirektor des FC Bayern München, war gemeinsam mit dem stellvertretenden Stiftungsgeschäftsführer Nico Kempf vor Ort und motivierte die Insassen: „Wir wollen euch zeigen, dass wir euch nicht vergessen haben und an euch glauben. Lernt aus euren Fehlern und fangt nochmal von vorne an.“ Auch Jürgen Pfau, Vizepräsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, richtete wichtige Worte an die Inhaftierten: „Es ist wichtig, nach der Inhaftierung ein neues Umfeld aufzubauen. Traut euch und werdet Mitglied in Sportvereinen. Dort könnt ihr Gemeinschaft erfahren sowie Halt und Orientierung finden.“

Nach rund drei Stunden ließen die Spielerinnen des FC Bayern München die Gefängnismauern in der JVA Aichach hinter sich. Ein Nachmittag, der sowohl den Inhaftierten wie auch den Profifußballerinnen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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