

Seit 20 Jahren erinnert der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit dem Julius Hirsch Preis an seinen ehemaligen Nationalspieler und zeichnet engagierte Menschen, Vereine und Initiativen aus. Am heutigen Donnerstag (ab 19 Uhr, live auf YouTube) wird bei der diesjährigen Verleihung das Jubiläum gefeiert. Operativ wird die Veranstaltung von der DFB-Kulturstiftung betreut. Nachfolgend beantworten wir die wichtigsten Fragen im FAQ.
Schauplatz der Preisverleihung ist diesmal Hamburg, genauer das Kulturzentrum FABRIK im Stadtteil Ottensen. Beginn ist heute um 19 Uhr. Die Veranstaltung findet im geschlossenen Rahmen vor etwa 350 Gästen aus den Bereichen Sport, Kultur und Soziales statt, unten ihnen zahlreiche Preisträger aus den vergangenen zwei Jahrzehnten.
Die etwa zweistündige Veranstaltung wird live auf dem Verbandskanal des DFB auf YouTube zu sehen sein. Hier gibt es den Link dazu.
Mit der Botschaft "Nie wieder!" stellt sich der DFB seiner Geschichte und seiner Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Verband setzt mit der Verleihung des Preises ein sichtbares Zeichen, indem er Engagement für Vielfalt und gegen Diskriminierung würdigt. Ausgezeichnet werden Personen, Initiativen und Vereine, die sich auf dem Fußballplatz, im Stadion, im Verein oder in der Gesellschaft beispielhaft und unübersehbar für die Unverletzbarkeit der Würde des Menschen und gegen Antisemitismus, Rassismus und die Ausgrenzung von Minderheiten einsetzen.
"Dieser Preis ist für mich der wichtigste, den der DFB zu vergeben hat", sagt DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Und er sei notwendiger denn je: "Vereine und Initiativen, die sich gegen Diskriminierung und vor allem auch Antisemitismus stellen, die sich für ein besseres Miteinander und mehr Respekt einsetzen, dürfen wir in ihrem bemerkenswerten Engagement nicht allein lassen."
Der Karlsruher Kaufmann Julius Hirsch war vor dem Ersten Weltkrieg einer der besten deutschen Fußballer. Mit dem Karlsruher FV (1910) und der SpVgg Fürth (1914) wurde er Deutscher Meister. Für die Nationalmannschaft kam er siebenmal zum Einsatz (vier Tore), 1912 nahm er mit der deutschen Auswahl an den Olympischen Spielen in Stockholm teil. Wegen seines jüdischen Glaubens wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt, gedemütigt und entrechtet. 1943 wurde er ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet. Mit dem Preis erinnert der DFB an Julius Hirsch und alle, insbesondere die jüdischen Opfer des NS-Unrechtstaats im Fußball.
Der 1. Preis geht an den Seminarkurs der 11. Klasse des Ludwig-Marum-Gymnasiums Pfinztal. Die Schüler*innen haben die "Julius-Hirsch-Event-Box" entwickelt, die praxiserprobte Veranstaltungsformate, von Fußballturnieren über Theaterprojekte bis hin zu öffentlichen Präsentationen enthält, die – verbunden mit der Vita von Julius Hirsch – praktische Anregungen für Aktivitäten gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung geben. Die "Nordstadtliga Dortmund" als 2. Preisträger spricht seit mehr als zwei Jahrzehnten Kinder und Jugendliche im sozialen Brennpunkt der Dortmunder Nordstadt an, die durch klassische Bildungs- und Vereinsstrukturen kaum erreicht werden. Während die "Nordstadtliga Queens" sich gezielt an Mädchen richten, erinnert der Mehmet-Kubaşık-Cup an den 2006 vom NSU ermordeten Dortmunder Kioskbesitzer. Der FC Mainaustrasse aus München, ursprünglich gegründet in einer Geflüchteteneinrichtung, ist heute ein eingetragener Fußballklub im regulären Spielbetrieb des Bayerischen Fußball-Verbandes. Der Verein unterstützt seine Mitglieder aus unterschiedlichen Herkunftsländern bei Behördengängen, Wohnungssuche, Ausbildungen oder der Integration ins Ehrenamt. Dafür gibt es in diesem Jahr den 3. Preis. Auf YouTube sind Videoporträts Preisträger aus Pfinztal, Dortmund und München zu finden.
Gut 120 Bewerbungen sind in diesem Jahr eingegangen, davon kamen etwa 80 aus Amateurvereinen - einmal mehr ein Zeichen für die Kraft und die Lebendigkeit des Amateurfußballs.
Eine namhaft besetzte Jury setzt sich mit den eingegangenen Bewerbungen auseinander und stimmt über die Preisträger ab. Die Jury setzt sich wie folgt zusammen: Bernd Neuendorf (DFB-Präsident, Vorsitzender), Otto Addo (Nationaltrainer Ghanas und Gründer der Initiative "ROOTS – Against Racism in Sport"), Dunja Hayali (ZDF-Moderatorin), Julia Hirsch (Urenkelin von Julius Hirsch), Dr. h. c. mult. Charlotte Knobloch (ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland), Dr. Marc Lenz (Geschäftsführer der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH), Angelika Ribler (Diplom-Psychologin, Sportwissenschaftlerin und Ehrenpreisträgerin des Julius Hirsch Preises von 2010), Célia Šašić (DFB-Vizepräsidentin für Gleichstellung und Diversität), Eberhard Schulz (Sprecher der Initiative "!Nie wieder") und Thomas Weikert (DOSB-Präsident).
Auf DFB.de befasst sich ein eigener Bereich mit dem Julius Hirsch Preis, in dem die wichtigsten Infos zusammengefasst sind. Der DFB hat darüber hinaus anlässlich des Jubiläums eine monothematische Ausgabe des Verbandsmagazins DFB-Journal veröffentlicht. Darin gibt es unter anderem ein Porträt Julius Hirschs, Interviews mit seiner Urenkelin Julia Hirsch und Bayern-Präsident Herbert Hainer, Reportagen über Preisträger sowie einen Gastbeitrag von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Das DFB-Journal gibt es in gedruckter Form sowie als eMagazin auf DFB.de und in der App DFB-MAGAZINE.